Stadtbücherei Wilster

Mit Aktivitäten wie z.B. monatlichen Lesungen, Büchereiführungen für Schulklassen, die Organisation des bundesweiten Vorlesetages an Grund- und Gemeinschaftsschule, oder die Bücherausleihe im Seniorenzentrum, ist die Stadtbüchertei Wilster mehr als nur eine Bücherei.

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Wilster und Bücher gehören zusammen


Das 18. Jahrhundert
Die Doos'sche Bibliothek

Spätestens seit dem Ende des 18. Jahrhunderts, mit der Sammelleidenschaft des Ehepaares Doos, beginnt die Geschichte der öffentlich zugänglichen Büchereien in Wilster. Kanzleirat Johann Hinrich Doos und seine Frau Louise, ihr wurde ein halbes Jahr vor ihrem Tod am 15.6.1829 vom Dänischen König der Titel einer Etatsrätin verliehen, hatten bis zu diesem Zeitpunkt 5000 Werke in 10.000 Bänden gesammelt, unter ihnen befanden sich kostbare Kupferbände, Landkarten und Holzschnitte, alte bibliophile, aber auch zeitgenössische Werke aus den Bereichen Naturwissenschaften, Geschichte, Philosophie, Theologie und Rechtswissenschaften.

Interessant erscheint insbesondere der Akzent auf zeitgenössischen Jugendbüchern und Werken der Pädagogik, unter ihnen die neuesten Werke der Aufklärung, die ein lebhaftes Interesse des Ehepaares an aktuellen Fragen der Erziehung dokumentieren. Auch die Wandmalereien des Doos'schen Palais geben hier eindeutig beredte Auskunft. Es finden sich lebendige Darstellungen ihrer Kinder und gemalte Abbildungen ihres Spielzeugs im Treppenaufgang des Palais.  Die drei Kinder des Ehepaares starben noch vor den Eltern, so dass das Vermögen nach dem Wunsch der Etatsrätin als großzügige Schenkung der Stadt Wilster übergeben wurde.

Nach dem Tod der Etatsrätin unterstand die Bibliothek den Wilsteraner Schulmeistern und Predigern. 1851 wurden Teile des Bestandes zum ersten Mal verkauft, die genaue Anzahl lässt sich nicht mehr ermitteln, die Rede ist jedoch von 2.000 bis 3.0000 Bänden. Allerdings wurde die Doos'sche Bibliothek weiterhin als Volksbücherei für jedermann zugänglich gehalten und ständig durch Auf- und Verkäufe aktualisiert.

Im 2. Weltkrieg lagerte man den Bestand aus, so dass er unversehrt nach Ende des Krieges wieder zurückkehrte, neu geordnet und katalogisiert vom damaligen Kreisarchivar Otto Neumann. Ca. 2.700 Werke sind bis heute über die Zeiten erhalten, sie sind ein lebendiges und faszinierendes Beispiel für die Sammelleidenschaft einer überaus bildungsbewussten Wilsteraner Familie des 18. Jahrhunderts.


Anschluss an das 19. Jahrhundert
Die Bibliothek Witt-Warstede

1967 vermachte Gustavus F.C. Witt der Stadt seine Bibliothek. Sie umfasste nicht nur eine Reihe alter Bibeln, sondern auch kirchenhistorische und juristische Werke des 17. und 18. Jahrhunderts, wertvolle Konversationslexika, genealogische Kalender, naturwissenschaftliche und geografische Werke und zudem eine Fülle an Biografien und Klassikern der deutschen, englischen und französischen Sprache. Spezialsammlungen darüber hinaus über Friedrich den Großen und Fürst Bismarck.

Beide Bibliotheken sind heute im Alten Rathaus der Stadt untergebracht und sind auf Anfrage zugänglich.


Das 20. und das 21. Jahrhundert
Die Anfänge der Stadtbücherei

Begonnen hat die Geschichte der heutigen Stadtbücherei Wilster bereits vor 150 Jahren mit der mit Legaten ausgestatteten "Doos'schen Bibliothek". 1923 wurde die Bücherei vom Vater des späteren Adolf Sievers als Volksbücherei übernommen, zu jener Zeit war sie im Balkenhaus Op de Göten untergebracht, bevor sie dann mehrfach die Herberge wechselte. Vom Balkenhaus in den ebenerdigen Saal des Alten Rathauses, vom Nebenraum der Turnhalle in einen früheren Wohnraum der Mädchenschule, wo das Exil bis 1957 dauerte.

1957 schließlich wurde die "Volksbücherei" mit einem für damalige Verhältnisse beachtlichen Kostenaufwand von 6000 DM reorganisiert.

Begeistert schrieb die Presse am 22.3.1957: »Wenige Tage vor Ablauf des Rechnungsjahres 1956/57 machten die Ausschüsse des Kreises »Kassen-Kehraus«. Für die betroffenen Gemeinden und Organisationen war es eine Kette von erfreulichen Beschlüssen, die gefasst wurden Eingehend befasste sich der Bildungsausschuß des Kreises mit dem Ausbau des Büchereiwesens. Alle gefassten Beschlüsse wurden auf der letzten Sitzung des Kreisausschusses bestätigt, so dass einer Verwirklichung dieser Vorhaben kaum noch etwas im Wege steht. Mit einem Kostenaufwand von 6000 DM soll die Stadtbücherei von Wilster reorganisiert werden. Der Wilsteraner Magistrat hat dieser dringend notwendigen Aufgabe bereits zugestimmt. Erfreulich ist, dass sich der Steinburger Kreis mit 3000 DM an diesen Reorganisationskosten beteiligen wird. Die Stadt selbst gibt 1800 DM und das Land ist an der Finanzierung mit 1200 DM beteiligt.«

1957, im Zuge der Reorganisation, erhielt die Bücherei einen neuen Raum im Mädchenschulgebäude und wurde am 14.2.1958 unter der Leitung von Rektor Adolf Sievers wiedereröffnet. Er formulierte anlässlich der Eröffnungsfeier für heutige Ohren in der Diktion ebenso antiquiert wie in der Kernaussage zeitlos:

»(...) Man hat erkannt, dass es nicht genügt, eine kleine Schar von Spezialgelehrten zu haben, und dass auch diese nur aus einer Volksgesamtheit kommen können, in der das disziplinierte Lernen gepflegt wird. Unter solchen Erkenntnissen gewinnt auch das Büchereiwesen eine neue Bedeutung.«

Die Wilstersche Zeitung dokumentierte die Feierlichkeiten in ihrer Ausgabe vom 15.2.1958 und schloss: »Anschließend nahmen die Teilnehmer eine Besichtigung der Stadtbücherei vor, die alle befriedigte.«

Die Ausleihgebühr betrug damals 0,10 DM. Weder an den Zuschüssen noch an den Entleihgebühren hat sich 2006 sehr viel geändert, 40 Jahre später werden die etwa gleichen Beträge, allerdings in Euro erhoben, während die Buchpreise heute bis zu 10mal höher sind als vor 40 Jahren!

Adolf Sievers übergab die Geschäfte 1959 an Gerhard Sakowski. Unter seiner Leitung und mit äußerst aktiver Unterstützung seiner Ehefrau Irmgard (und zwischen 1960 bis 1965 durch Karoline Lammers) wurde ein Großteil des heutigen Bestandes ergänzt, erneuert, fachkundig erweitert und äußerst aktuell aufgebaut: Kinder, Jugendliche und Erwachsene fanden, wie bereits zu Zeiten der Etatsrätin und ihres Mannes, aktuelle Lektüre vor. Die Buchbestände wurden seitdem kontinuierlich ergänzt, so dass man heute in der glücklichen Lage ist, über eine interessante und qualitativ hochwertige Bücherei zu verfügen.

Die Umzüge waren damit jedoch nicht beendet: 1976 fand sich ein Platz im damaligen Amtsgericht in der Rathausstraße, bereits zwei Jahre später erfolgte ein Umzug in das Menckestift/Gemeindehaus. Von 1993 bis 2005 leitete Gisela Dethlefs die Geschicke der Bücherei im Menckestift.

2005 wurden wieder einmal Kisten gepackt, diesmal für einen Umzug in die Deichstraße 2. Als neue Nachbarin wurde die Bücherei unter der Leitung von Dr. Cordula Fink-Schürmann und Uwe Martensen nicht nur von den Geschäftsleuten in Wilsters Innenstadt mit Freude begrüßt: Der Zulauf an Entleihungen, auch von Kindern und Jugendlichen, konnte binnen kurzer Zeit beträchtlich gesteigert werden. Sicherlich hat die kontinuierliche Unterstützug des Vereins "Leselust", die über den eher spärlichen Etat hinaus konsequente Neuanschaffungen in allen Bereichen, den Erwerb von Hörbüchern, die Einrichtung eines Leseclubs für Kinder, die finanzielle Unterstützung der KIBIS(Kinderbibliothek), die Kooperation mit der Stiftung Lesen, zahllreiche Aktivitäten wie Flohmärkte und den von Uwe Martensen betreuten Leserservice für Senioren und Seniorinnen imstädtischen Altenheim, sowie monatlich an jedem 18. eines Monats von Leselust und organisierte Veranstaltungen rund um das Thema Lesen und Kunst/Kultur finanziert und organisiert, einen nicht unwesentlichen Anteil an den überaus erfreulich gesteigerten Leihzahlen. Die Bücherei bemüht sich mit ihrem »Bücherwunschbuch« Bücherwünsche der Kundinnen und Kunden aufzunehmen und nach Gegebenheit beim Einkauf neuer Bücher zu berücksichtigen.

Der Bestand der Bücherei umfasst heute mehr als 10.000 Bände, von denen ein großer Teil als Präsenzbibliothek zur Verfügung steht. Es finden sich

– Sachbücher wie Rechtsratgeber und Reiseführer gehören ebenso dazu wie viele andere Bereiche: Kochen, Basteln, Garten, Kunst, Geschichte, Politik, Technik etc.,
– Werke der Belletristik – vom Klassiker über Krimis und Thriller bis zu Titeln der jüngsten Bestsellerlisten,
– Kinder- und Jugendbücher – so verfügt die Stadtbücherei Wilster beispielsweise über einen Bestand an über 800 Bilderbüchern,
– Werke der Mundartliteratur Norddeutschlands, mit Schwerpunkt der Wilstermarsch.

2007 stand wieder ein Umzug ins Haus. Diesmal schloss sich der Kreis. Die Bücherei findet sich, wo die Geschichte des Buches in Wilster begann: Im ehemaligen Wohnhaus der Etatsrätin und ihres Mannes. Im Erdgeschoss des wunderschönen Wohnhauses, übrigens das einzige bürgerliche Palais Schleswig-Holsteins an der Westküste (!), sind 6 Erdgeschossräume bezogen worden. Mit Unterstützung der Stadt und insbesondere der Büchereizentrale Rendsburg gelang es, den alten Geist zu erhalten, aber neuesten und modernen Ansprüchen an Bibliotheksarbeit, Architektur und Wohnlichkeit gerecht zu werden. Befürchtungen, die herrschaftlichen Räume des Hauses könnten Besucher abschrecken, haben sich in ihr Gegenteil verwandelt: Der Zuspruch steigt kontinuierlich. Jung und Alt nutzen die Räume und die Bibliothek ist neben der Möglichkeit, neue und neueste Literatur, Hörbücher, Sachbücher, DVDs und vieles mehr zu entleihen, so auch zu einem Ort der Begegnung geworden (Die Ausleihbedingungen finden sie unter "Nutzung"). 

Wir sind uns sicher, dass die Stadtbücherei Wilster durch den Umzug weiter an Attraktivität gewonnen hat, als architektonisches Kleinod und attraktives kulturelles Wilsteraner Erbe mit aktivem Blick in die Zukunft. Übrigens: Auch für Touristen eine überaus attraktive Adresse.